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HARVARD LAW LIBRARY

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FÜRST zu STOLBERG

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WERNIGERODE

Received April 21, 1932

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^ubUcationen

au8 bcn

. )Hnußi|'(^en ^taatsan^iotn.

Sittttttbt^ier^tgfter 93anb.

Otto ÜReinarbud, ^rototoUe imb 9te{ationen bed Branbenburgifd^en ©cl^etmen 9Jat^e« au« ber 3^** Äurfürjlen ^riebrid^ SBU^cIm,

(Srfter S3anb. 33i« jum 14. Äpril 1643.

Peranla§t nnb unter^f(i

burcB bie

K. Jlrd^ii)' Dmoaltung.

4 »»

8eM»8t9

^er(ag t>on ®. ^irjel

1889.

JUrotukoUe ml Helationen

bc2

Öianbenburgif^cn ®e|>eimcn 9ftat^c^

au8 ber 3«t

be^f

:ftttrffit|}en ^iehttd) ütllicltn.

55on

Dr. ®tto ^etnarbit0,

am Q^e^intni €laat«at(^it) ju 9eilin.

@rfter S^attb.

9i« )um 14. 1643.

Veranlagt uitb unterfingt

burd? bte

K. 2Ird}io»Dcm)aItnng.

4 *♦-

SScrlag öon Jiirjel

1889.

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3)«# bet Überfe^ung ifl »orbe^falten.

APRIL 21, 1932

in 0 rm ö r t.

äÖefeittlii^, nic^t auäfc^Iieglic^ für eine .out^entifc^e ©efc^it^te bet inncrn §etftellung ber ©ranbcnburgifc^en ©taatcn noc^ bcm 30jät)rigen Slricgc", baS @rbt^ei( 92iebu^r2, foU baä Söerf, beffcn erftcr 93oub t)ter tjor* liegt, einen tieinen Beitrag liefern. @8 wirb ben X^eil ber fHegiftratur beg branbenburgifd)en @et)eimen 9latt)e§ ang ber 3^it üon 1640—1688 jur SSer» öffentlic^ung bringen, roelc^er aUe 2öec^felbegiel)ungen jum Äurftirften umfaBt. S5efanb fic^ baS furfürftlic^e §ofIager nic^t in ber S^efiben^, fo würben bic bort gurücfgebliebenen 3KitgIieber beä ®el)eimen 9iQt^eg unb ber etwa nom 5hirjürften ju feiner SSertretung eingefe^te @tattt)altcr üerpflic^tet, non ollen oorfotlenben, it)rer S3crat^ung unterlegenen Sachen bem SonbeS^erm wöc^ent* lic^, je noc^bem ouc^ öfter einen SSeric^t gu erftotten, borouf er refoloirte; war ber Ihirfürft bo^eim, fo pflegte er ben ©i^ungen in ber ©e^eimen fRotl)ftube felbftt^ätig beijuwol)nen. ßur ^rotofollirung ber Serl)anb langen war ein ftänbiger ^rotofoüfü^rer, für bie norliegenben $rotofolle Sofpor Xofe^en» berget, befteüt. ©eine Sfiicberfc^riften unb bie ^Relationen beä ®el)eimen Slat^eS fammt ben barauf erfolgten furfürftlie^en 9lefolutionen bilben neben ben ex officio ergangenen 25crf ügnngen beS Äurfürften ben gangen münblic^en unb fc^riftlic^en 3mmebiat*93er!el)r beä ßanbeg^errn mit feinem ©e^eimen SRat^e.

@3 fon mein ®eftreben fein, aHe hierauf begüglit^en arc^ioalifc^en 3Rate* rialien, foweit fic noc^ oorl)anben finb, ju oer öffentlichen. Xie iprotofolle finb faft auSfchliefelich an einer beftimmten ©teile beS (geheimen ©taat^archiüeä {Repositur 21. 9ltr. 127) untergebracht, ©ie umfaffen bie 3oh^r 1613 1647 unb 1659 1683. ^rotofoHe au§ ben übrigen SRegierungSgeiten g^ebrich Söilhclmä finb big je^t nicht ermittelt. Xie in ben „Urlunben unb 2lftenftücfen gut ©efchichte Änrfürft griebrich SBilhelmg" mitgetheilten eingelnen $roto!oUc aug ben 50er gahren finb bem Slrolfer 2lrchiü entnommen, bie oon §irfch im 1 1 . 93anbe oeröffentlichten ftammen bagegen aiig bem geheimen ©taatgarchiö.

2luch in ben angegebenen ßeiträumen war ber 5furfürft nicht immer in ber 9tefibeng anwefenb. Unter ben ^rotofoücn befinben fich halber auch folchf, bie in feiner 2lbwefenheit über bie öerhanblungen ber ©eheimen 9läthe allein aufgenommen finb. gm Slßgemeinen jeboch treten in biefem gaUc bie 9lela* tionen unb 9lefolutionen (Rep. 21. ^r. 136) ben ^rotofoUen ergöngenb gur Seite, ©ie finb nicht augfchliefelich in ber angeführten ?Rcpofitur, fonbern oermöge ber Dom 5lr^ioar ©chönebeef 1641 begrünbeten Drbnung biefer ölte» ren 93eftanbthcilc gum Xheil auch anberen ©teilen beg ©eheimen ©taatg» archiDg niebergelegt. Um bag ^ringip ber SSoUftänbigfeit burchguführen habe

VI

iöontjort.

ic^ alle in Setradjt fommenben Sficpofitnveu be§ biirt^gefe^cn ouc^

cntfprec^enbc 2l!ten beä §au§ar^iü8 l^erongejogen, o^nc bod^ einige nai^träg* lic^e gunbe üct^e^Ien ju wollen, bie fi^ gebet, bet in Slrcjioen gu t^un ^at, etflären fann.

iBei biefer 2)urc^fid)t bet ^Irc^iobeftänbe ftie^ ic^ ^ie unb ba auf Schrift* ftücfe, bie nic^t buc^ftäblic^ in ben fRa^men bet $ubIifation paßten, aber i^reS gn^alteS wegen eS oerbienten, befannt gu werben. Son i^nen ^abe i(^ nac^ ©utbefinben eine ^nja^l aufgenommen unb mic§ babei oon bem @runb* fa|e (eiten laffen, benjenigen ®ocumenten ben SSorjug ju geben, bie für bie S3eurt^eilung ber ß^araftere einzelner ®et)eimen 9lät^e ober anberer mit bem Äurfurften in Serü^rung !ommenben $erfonen üon 2öic^tig!eit erfc^ienen.

ganje SKateriat wirb fic^ wo^I in 5 6 öänben bewältigen (offen. ®ie größte SDiaffe ber oierjiger ga()re wirb ben 2. ©anb onfüßen; ic^ ^offe, bie S)urc^arbeitung unb ©rgänpng be§ jum großen ^ ^ei(e f^on oorliegenben ©toffeÄ bi« 5um ©ommer be« nät^ften ga^re« (1890) beenben ju tbnnen. S)ie 9ie(otionen ber 50er ga^re werben fid^ in einen ©anb jufammenf affen (affen.

®a« ^rinsip ber ©oßftänbigfeit ^abe ic^ aud^ bei ber SBiebergabe ber einzelnen ©tücfe ftreng befolgt unb nid^t«, wenigften« nid^t abfi(^t(ic^, au«* gelaffen, felbft bie 9legeften bet 9ie(ationen unb 9iefo(utionen enthalten nic^t blo^ ben wefent(i(^en, fonbem ben oöttigen gn()a(t i^rer ©orlagen, wenn* fc^on Äürje ()iebei oft geboten war. Um ben angewanbten ©runbfap auf* rec^t gu er()alten, ^abe ic^ aüe fi^on in ben „Urfunben unb 2lftenftü(fen jur ©efd^ic^te Äurfürft griebric^ S33i(^clm«" abgebrueften ©tücfe noc^ einmal mit i^ren ©orlagen coUotionirt, ba in biefer ©ublifation, wie ba« ©orwort befagt, fubjectioe 2lu«loffungen erfolgt finb, unb bie ?lbweid)ungen oom bor* tigen 2)rucf, foweit fie nic^t rein formelle waren, angegeben. 9}iel)rere 2)ocu* mente, in benen burc^ bie 5lu«laffungen befonber« auc^ ba« ©er^ältni§ jum Ä'aifer etwa« oerbunfelt erf^eint, ^abe id^ noc^ einmal ganj wicbergegeben. 2lnbere 2)tucfc ^abe ic^ mich bemül)t aufjufinben unb ju Oermerfen. Hb* wei^enb auc^ oon ben »Urlunben unb Hftenftüden" ^abe ic^ bie gunborte im Hrc^iü überall notirt ; ift ein grrt^um be« ©orworte« jum erften ©anb biefer ^ublilation, bafe bie« ben Hrc^iobeamten gleid^gültig fei. gm ©egen* tt)eil bie genaue Hngabe ber ©rooenienj ift für bie §erbeifcf)affung oon Hften ein unfe^apbare« §ülf«mittel.

©ei ber ^Jerftedung be« ^ejte« ^ot mic^ ber ©runbfap geleitet, fowo^l bie 9telationen al« bie ©rotofoÜe für bie Seetüre unb wiffenfd^aftlic^e ©e* nupung in möglic^ft practifc^er gorm wieberjugeben. ©ejüglic^ einzelner SBörtcr finb bialectifc^e unb fprac^li^e (grammatifc^e) ©igentpmlid^feiten ge» wal)rt ; eigen^änbige 9tieberf(^riften finb genau nac^ ber ©orlage mitget^eilt. 2)ie Hnorbnung ift eine ftreng c^ronologifc^e.

©erlin, im ßtooember 1889.

®tto itleinarbud.

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^BeBeni^jal^re ^urffirft @eorg ^ttmäl^Ud^e

^uflöfitng be$ @el^eimen S^atl^e^.

Vdd^t afle berufenen fRat^gebcr bet branbenburg»preu6ifd)en ^one finb juglcid^ auc^ bie gbrberer i^teS ©ebei^enS unb SBac^ät^um« getoefen. ?(m menigften nac^ bem Urt^eilc Äurfürft griebrtt^ Sßil^elm« bie Staatsmänner, welche in ben lebten ßebenSja^ren feines SBaterS einen maggebenben Sin* fluB auf bie Sntfc^Iiegungen biefeS SD^onarc^en auSgeübt. Unter i^nen an erfter Stelle @raf Sbam ju Sc^marpenberg unb Soac^im griebric^ non lBlumentl)aI. genen ereilte ber Xob, e^e beS jungen gürften Untoitte ibn betroffen; SSlument^al marb in ungnäbigfter gorm entlaffen, meil er oor* ne^mli(^ bie bem Sanbe ®erberben bringenben 9latl)f(^läge begünftigt unb in Xf)aten umgefept l)abe. 9J2it if)m traf bie ganje „böfe Sc^roarpenbergifc^e ?lrr beS Äurfürften Äc^t. Unterfud)ungen über ben ®ang ber Sermoltung ber lebten 3al)re mürben eingeleitet, öeric^te eingeforbert, um bem SSer* leitet ju ber grogen SQBerbung non 1636/37 auf bie Spur ju fommen ; unb mo bie ?luSfunft nic^t befriebigte, ba oermutl)etc man hinter jebem Unlieil bie gel)eimen Umtriebe beS ®rafen Sc^marbenberg oerfteeft ju finben. ?ln* jc^läge gegen baS gürftenl)auS felbft mürben bem allmächtigen 9JUnifter @eorg SBilhelmS nachgefagt, unb bis in bie höchften Greife 2) hinein fchenfte man ben gehäffigen Sinflüfterungen @ehör, eS hö^>^ ^Ite @raf mit feinen Helfershelfern beabfichtigt, ben jungen ^rprinjen burch @ift ju be» feitigen, um nach bem Xobe @eorg SOBilhelmS beim Äaifer bie 93elehnung mit ber Äur 93ranbenburg burch jufe^en feinen Sohn mit ber $rin* jeffin ßuife Sh^^^otte ju oermählen. griebrich SBilhelm felbft h^**' toie befannt, pch beS SSerbachteS eines (SiftmorboerfuchS faft fein ßeben lang nicht ermehren lönnen.

Xer junge ^rfürft blieb nid^t bei ber SluStreibung beS Schmar|en* bergifchen Anhangs ftehen; er fuchte gut p machen, maS etma fein SSater oerfehen, unb geftattete einzelnen Offizieren unb märfifchen Sbelleuten,

1} )6eiiügung bom 2 3uli 1641. 0. 290 unb IBl.'S bom 1 1641.

e. 357. 2) 9tr. 586. 91t. 701, 2.

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VIII

©i«^trige fluffaffung.

welche in ber ©c^roarbeubergijc^cn ©influfleg öraubenburg l^atten

ücriaffcn müffen, bic 9?ücffc^r in U)r alteg SSatcrlanb; er gab i^nen i^K ®ütcr jurüd, unb war überl^aupt beftrcbt gc(c^Iagene Söunben ju feilen, mit bet auggejproi^enen Hbfic^t, ©c^roar^enbergg Ungere^tigfeitcn augjii» gleichen. @r beriet enblic^ in feinen ©e^eimen tRatf) neben frift^en Äräf* ten auc^ jene ©taatgmänner jurücf, bie i^rer abmeic^enben politifc^en ^Ric^» tung wegen aug bem 2)ienft ®eorg SSit^elmg Ratten fdjeiben müffen: ©igigmunb non ©oben, ©erwarb Siumelian non ßeuc^tmar, ©amuel non SBinterfelbt.

9Jiit §ülfe biefer erfat)rcnen ißerat^er ergriff grirbric^ SBU^elm noc^ pr rechten 9lnber beg ©taatgfcf)iffeg, bag gerabeju einem fiesem

©c^iffbruc^ entgegenjugleiten fc^ien.

2)er 93Iicf möchte noraugfe^weifen unb ben Sßegen folgen, weld^e jur 9ieugrünbung beg branbenburg*preugifc^en ©taatg ^infü^rten, norerft gilt eg jeboc^ mit §ülfe neuen SDiaterialeg ben 9Serfu(§ ju wagen, gewiffe ia» t^ümlic^e ?luffaffungen, welche ben ft'nrfürften @eorg SEBÜt)eIm unb feine ^Rat^geber wie mit einem unjerreigbaren 9^e^ umwoben unb einen fo mäc^* tigen 9iücf^alt an ber Slnfc^auung feineg jugcnblitf)en 9^ac^foIgerg gefunben ^aben, gu jerftreuen unb ßie^t unb ©chatten im SBirfen unb S^arafter ©c^war^enbergg mit unpartf)eiifc^er Äritif gu nertt)eilen.

©eit ber 3^^^» ber grofee ©eft^ic^tfe^reiber ber Xt)aten ^urfürft griebric^ SBiltjelmg fein SSJerf nerfafete, finb wir gewöhnt, im SBibevftreit ber ©egenfäbe beg beutfc^*nationaIen ßebeng, wo eg juerft ^ieg : t)ie Äaifer» rcc^t, ^ie gürftenrcc^t, fpäter: ^ie Öfterreic^, t)ie ^reufeen, unb cnblic^: ^ie ®rofe*®eutfd)lanb, ^ie 5^Iein * 2)eutfc^Ianb , ©c^war^enberg für jenen bbfen @eift anjufejen, weld)er feinen fi^wac^en furfürftlic^en §errn mit bümonifc^er ßJewalt immer wieber in bie foiferlic^e ^tb^ängigfeit t)ineingu* jie^en wufete, it)n in ben ^eg mit ©c^weben trieb unb baburc^ ben wirtf)f(^aftli(^en unb politifc^en 9luin ber branbenburgift^en ©rblanbe t)er* beifügten l^alf. ®er Beitritt jum fraget grieben eröffnete nac^ unferer big^erigen gefc^ic^tUi^en ^luffaffung jene Steife unfeliger (Sntfe^tüffe, unb auc^ bie neuefte ®arfteHung') biefeg 3^toumg, wenngleich fie bie 3^1' nbthigung Äurfachfeng h^^öorhebt, fc^iebt ©chwar^enberg bie ©chulb an ber nerhängnigooHen 93eiftimmung feineg gürften ju. ©ewig^) ift @corg

1) STbinannebörffer, beutfe^e ©efc^i^te bom SBeftfät. ^rieben bid jum dtegierungfl* ontritt t^riebri^g b«8 ©roßen (Ondenf<^e 'Sammlung) ©, 86 f.

2) *S)a in ben erften 3atiren ^rtebric^ SBübelntg, mie btefe ^ubüfation ergiebt, ^ufig auf bie (et^tnergangene 3^it big jum fraget ^rieben juriiefgegriffm mirb, fo mußte 'ic^ meine Unterfuc^ung big bafiin augbebnen. ÜJiit StUeffubt auf bie Arbeit meineg (SoUegen Verm Dr. 3linolb, meicber bie ^rotototte unb 9lelationen aug ber 3«ii 1604—1610 berauggiebt, werbe i(b mich möglicbß auf bag Allgemeine m bef^ränfen fuc^en.

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^Jragcr gritben.

IX

bem 9lat^fc^(agc <Sc^njar|cnberg§ gefolgt, als er ben fßrager Jriebcn anno^m, aber SdjWar^enberg war nic^t fein einziger 9iat^geber, fonbcm afle bie fRät^e, ©tänbe, ©eiftlic^e, welche ber Iturfürft befragte, ja wir bürfen fagen, ein großer Xt)eil beS ÖanbeS oerlangte bie mung feines gürften jiim grieben.

bereits im ganuar 1635 forberte @eorg Sßil^elin oon feinem ®e* t)eimen fRat^e ein ©utac^ten über bie $imaifc^en ^rtifel unb einen auf @runb berfelben etwa abjufc^Iie^enben grieben mit bem 5^aifer.

©c^mar^enberg nimmt in biefer fc^on eine eigenartige Stellung 5um Äurfürften ein, bie einer ^ufflärung noc^ bebarf. Obtüol)l SRitglieb beS ©e^eimen Siat^eS ^at er baS ©utac^ten nic^t unterfe^rieben. @r l)atte einen 33ertrauenSpoften inne. 5lls fReid)Sgraf unb §errenmeifter beS go^anniter* CrbenS gleidi einer gefürfteten ^^erfönlic^leit über ben ©e^eimen 9lät^en fte^enb ^at er offenbar in perfönlic^en ©efpräc^en mit bem Ä^urfürften feine ?lnfi(^t cntmicfelt. ©r mirb fic^ äl)nlic^ jum ^rager grieben geftellt ^aben, mie ber Äurfürft, oon bem Seoin oon bem ^efebecf‘) berichtet, er neige fet)r baju, il)n anjunel)men.

®on ben bamaligen ©el)eimen fRät^en mären nur ishicfebecf, 93altl)afar oon ©runn unb Sebaftian Stripe in 93erlin anroefenb, SigiSmunb oon ©ö^en unb ©erl)arb fRumelian oon ßeuc^tmar befanben fic^ auf bem granl» furter ©oiioent. ißon il)nen l)aben mir aus biefer 3^^^ feine 3)iei» nungSäu^erungen. XaS ©utac^ten, oon ben brei erftgenannten unter« fc^rieben =*) , legt ausführlich aUe ©rünbe für unb gegen bie Annahme eines folchen griebenS bar. Xa jeboch roeber bie alsbalbige Serroerfung, noch alsbatbige Einnahme anjurathen ift, fo empfehlen fie bem ^lurfürften oon roeiteren Schritten oorläufig objufehen unb ben gortgang ber fchmebenben SSerhanblungen abjumarten. Söohin aber ihre 3Reinung geht, erhellt beut« lieh aus folgenben Sä^en: ba§ im gall ber fchlichten ^uSfchlagung biefeS griebenS man 2anb unb Seute, ^Religion unb ßibertät auf bie Spi|e beS SchmerteS fc^en unb fich ber unfichern unb gefährlichen §ülfe auSmärtiger 3Rächte anoertrauen müffe. SSon einer Serfchiebenheit ber Hnfehauung im ©eheimen 9iathe finbet fich Spur. Schon im Slpril^) fe|t ^nefebeef auSeinanber, roaS ber Ä^urfürft nach Annahme bcS griebenS, gu bem bie Stanbe gang pure riethen unb er felbft gang Gerant«

mortung oor aller 253elt oorbringen fönne, bafe er nämlich miber SSillen bagu gelangt fei unb lieber eine allgemeine griebenSoerfammlung gefehen

1) Än. an ©tripe. 18 (28) ?(ptU 1635. R. 12. 110.

2) 2)U %nfi(tit flcl^e unten 0. XII.

3) 14 (24) 3anuar. 2)a4 (Soncept tfl uon ^efebeef. R. 12. 110. 4i 18 (28) ^pril. Änefebcct au ©tripe.

X

fraget gruben.

^abe. Unauf^örtic^ , aber üetgcblie^ jei barauf öon i^m gcbrungcn.

^abc er ben SBeg ber Slnna^me als baS fleinere Übel einjc^lagen müffen, weit bie anbcm SJlittel jur 9lettung feines Staates fernab gelegen feien.

3m 3Jtai legte ber ^rfürft atsbann ben (ut^erifc^en unb reformirten ©ciftlic^en Dr. SSergiuS unb Dr. ßrefliuS, unb ben fßröpften ju Berlin unb Sbßn bie grage nor, ob er eS mit feiner SReligion unb feinem ®e* roiffen öerantmorten fönne, auf ben griebenSf^Iufe einjuge^en. fttud^ fic erflärten, jmar etmaS oerflaufulirt, ben grieben für baS pc^fte @ut.

©nblic^ traf @nbe 3uni bie 9lac^ricl^t oom Slbfc^tug bcS griebenS ju $rag mit ber 5lufforberung an afle fReid^Sftänbe ein, fic^ binnen 10 Xagen bafür ober bagegen auSjufprec^en.

3^oc§ einmal, toie fc^on im Sommer, manbte fic^ ber ^urfürft an bie ßanbftänbe >). 3^1« ©utac^ten unb bie erbetenen 2)en!fc^riften ber Äam* mergeric^tSrät^e finb bie lebten ausführlichen Schriftftücfe, in benen bie Annahme beS griebenS befünoortet^) wirb. 5lHetbingS ift in allen ©ut* achten ber Sßorbehalt gemacht, ba§ nun auch toirHich bauember gricbe eut* ftehe ; ber iturfürft bürfe bahcr nur unter ber lebhaft betonten Öebingung annehmen, ba§ mit Schweben oon Seiten SachfenS unb bcS ÄaiferS grie* benSoerhanblungeu angefnüpft mürben.

®ie ®en!fchriften aller fRäthe, welche ©eorg SÖSühcIm befragte, erbrtcrn mit §eroor!ehrung größerer ober geringerer öebenlen bie ©efahren für bie ^Religion unb Sibertät. 3Ran fühlt ober faft bei allen h^wwS, bag fie unter bem 2)rucfe einer Strömung ftehen, welche ben grieben, nur beu grieben will. 2)er Äurfürft war nach biefer Seite gebeeft. ©benfo wie er jeboch in ben folgenben Mc« werben, ber öffentlichen

fUteinung tro|te, höHc jebt wohl über fich gewonnen, ben

grieben jurüefjuweifen, wenn nicht wid^tige bpnaftifche 3ntereffen ihn auf bie foiferliche Seite brängten. ®ie 93eforgni6, ber ihirfürft oon Sachfeu möge bie ©unft feiner neuen SunbeSftellung beim Äaifer baju anjuwenben wiffen, in feinen Slnfprüchen auf bie gülichf^e Succeffion unb bie preu^ifche ©rbfehaft fRecht ju befommen, mar einer ber jwiugenbcu^) ©rünbe, bie ©eorg SBilhelm beftimmten. §atte hoch 3ohann ©eorg oon Sachfeu, als

1) ;Jn ber Slntivort ber Janbflänbe ttom 30 3uni (10 3uli) Reifet u. ?[.: @^lec^tcr griebe fei beffer als ftelige Unruhe. $>er Äurf. müffe fi(^ tröfien, baß er jum grieben feinen Einlaß gegeben unb fonfl auf ®ott vertrauen, gür ben gatt be« Hbge^en« nom Äaifer f^be er ni4|t bie getingfie S3erfu^erung »egen fpontmern unb Preußen. Cr foüe foivobl 0a4^fen a(d O^cenftiema unb ^aner ba^in bidponiren, baß fte fu^ }um grieben »iUig etrclefen. R. 12. 110.

2) 0ebaratnotum ^urt 9ertram9 n. $bu(. 9tätti ni^t ba)u, »eil ti fUr bie enan» gelifd^e 9leligion unb bie beutfe^e üibertät eine überaus gefäbrlid^ unb nac^ttieilige ^(be fei. ^alte ber Äurf. bie Cefabren für nidbt beborfiebenb, fo möge er annebmen a. a. O.

3) @0 ber jhirf. an bie Sanbfiänbe.

I

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Frager

XI

0(^n)Qr^cnberg im gebruar unb SO^ärj 1035 >) bic ^iffctcnjcn in bcn 3ülic^f(^cn unb preufeifc^cn ©ucceffionä'SlngcIcgcn^eiten pcrjönlic^ in ®rcS* ben beijulegen füllte, nur falte unb weit ^crgc^oltc ^Intmorten crt^eilt. Sei ber (Sntji^eibung, ob für ober gegen ben ^rager grieben fatten bie S3ejicl^ungcn gu @ad^fen ebenfo fermer inS (Scmic^t, al§ bei ben barouf fotgenben Sreigniffen ber näc^ften ga^re.

6in onbereS fc^mermiegenbeg SDioment für bie Slnno^me beS ^ragcr griebenä ergab fic^ auS bem ÜJtangel einer auäreic^enben SSerfic^crung wegen beS ^blanbeS Sommern burc§ bie Stronc «Schweben.

3n biefer 9iic^tung waren bie in granffurt anwefenben 9iät^e, nament* lic^ @ü^en, uncrmüblic^ t^ätig gewefen. ?lm 2 3Jtai 16352) überfanbte ber Mangler baä oiel bcfproc^ene ^rojcct einer fc^webije^en 2lfliang. ®en 3Sort^eiI für Sranbenburg, welchen man barin f)at fefien^) wollen, ge» wöl)rtc bicS fc^wcbif(§e SIngebot jeboc^ ni(^t. Sßeit entfernt, bie (Sinräu* mung ^ommemS gu oerfprec^en, fteUt ber 9tcic^8fanglet ald S^orbebingung bie (Srlebigung ber Äoftenfrage ^in. „2öirb<) Schweben oom 9ieic^ eine ®enugtf)uung an fianb unb ficuten üerfagt, fo oerfpric^t ber Äurfürft oon 93ranbcnburg bie Äoften gu begat)len, wcld^c ber oerftorbenc Äönig gur 93efreiung ^ommemS aufgewanbt t)at." @o lange bleibt baä ^ergogt^um in ber ^)anb ber Schweben ^). 3Kan erfennt, wol)in baä führen foöte.

®ieS Slüiangprojcct war lebiglii^ ein ^Öber, ben Ojenftiema ben bran* benburgifc^en ©taatSmännern oor^ielt, ba er wufetc, in wie bebrüngter Sage fic^ bic branbenburgifc^e ^olitif befanb.

Äm 16 (26) ÜKai traf ©ö^cnS«) SScric^t mit bem ^rojcct in iBcrlin ein. Djenftierna wartete eine 2lntwort nic^t ab. 2lm 10 3uni befanb er fic^ in ©tabe, am 17 in gamburg. Offenbar beabfic^tigte er in gotge Don 9fac^ri(^ten über bic weiter um fic^ greifenbe Steigung ber öffentlichen SDteinung gum grieben bie ©timmung in 9torbbeutfcf)lanb gu fonbiren, wo* möglich bic nieberfächfifchen Sheiäftänbe ’) Dom Beitritt bagu abguhalten.

9JtittlerweiIe war, wie oben gefagt, bic offigietlc griebcnSmelbung in Berlin angefommen. 3)er Äurfürft wollte noch «inen lepten 9Serfu(h wegen

1) ©enbung ©(bwartjenberga gebruat unb 9Härj 1635 in R. 12. 109. S3gl. !Drobf«n, ^tenb. ^Jolitif III« ©. lül. 2) R. 30. 21».

3) Ofc^net, 3)ie ^olitif ©(bwebena tm ffieflpbälif<^<it gttebcnScongreb. ©• 26. ^o^fen, 0. a. O. 4) § 6. 5j § 14.

6) ®er Umotlle be« Äurf. gfgen ben Äanjler, ber fogor beffen ©turj (nac^ Obtincr a 0. O) t>erbeigefü^rt traben fott, batte anbere Otünbe. @. batte im 'Project ni^t nur bie 21btretung uon äJiagbeburg, ^albcrüabt unb OdnabrÜcf gutgebeigen, fonbem noch baju bie erb» unb eigentbümlicbe öinräumung be« ^afen«, ber ©tabt unb be« ?lmte« ©artb- ®auernbe golgen batte biefer fleine 3wi«fpalt nl(bt.

7) 9ta(b 9Iumentba(4 Dielation Dom 2 (12)3u(i aufl ©aljwebd.

XII

^c^n>ebif4i*fa(!^fif(^e $rieben9toer^anblungen .

^ommernö machen unb fanbte ölument^al *) an Djenfticma, juglcic^ mit bem Aufträge, i^m baS gebruefte gricbenSinftrumeut ju übergeben. in ©atjmebel, nac^^er in 3Kagbeburg [teilte bet Slbge[anbte an ben ?Heic^§* fanäter bie gorbemng einer fategorifc^en ©rflärung wegen [Heftitution ber $ommer[(^cn fianbe. 2)ie Sefprec^ungen derliefen ergebnislos, ba Djenftierna mit bem ^inmeiS auf neue allgemeine griebenSoerljanblungen auSmic^. 2)er [Reid^Sfanjler ^atte hierin 9tec^t: am 18 (28) 3uti fnüpfte Sodann ®eorg oon ©ac^fen bie erften 93cr^anblungen an.

93lument^al mar am 7 (17) 3uli roieber in ^otsbam, erft am 29 guli (8 Sluguft) erhielt ©c^mar^enberg ben 2luftrag, bie mobificirte Slnnaljme beS ^ßrager griebenS bem ^urfürften oon ©ac^fen ansujeigen. SSieHeic^t ift bie SSerjögerung biefeS ©ntfc^luffeS auc^ mit Sejug auf bie fäc^fifc^*fcl)mebifc^en S3erl)anblungen l)eroorgerufcn. grgenb welche neue ^uSerungen ber @e* Reimen 9lätl)e auS biefen 14 Xagen liegen nic^t oor. @öpen befanb [id^ @nbe 3uli noc^ in granffurt a/9Ji., mo ibn juerft ^ant^eit fefjelte, fpäter bie Unmöglic^feit auf ber [Reife bem ÄriegSgctümmel ju entgegen, jurüd* l)ielt. ©ein langes SluSbleiben, feine [ßefürroortung gemiffer [ßimfte beS fc^mebifc^en SlllianjproiectS finb allerbingS fc^on bamalS bem 5?urfürften ocrbäc^tigt worben, ß^i^ücfgefe^rt erllärtc ber Äanjler jeboc^ unumwun* ben, et l)abe fdjon oor tanger eingefeljen, bag bem ^urfürften bie 2lnna^me beS ij^rager griebenS nur anjuratl)en fei; biefe SReinung ^abe er bem fc^webifc^en fReic^Sfangler unb feinen öegteitern nic^t oer^e^lt unb fei je^t burc^auS bereit, baS S^anjteramt bem fraget grieben gemäS ju oerwalten

[Rac^ bem griebenSfc^luS war cS ber branbenburgif^en [ßolitif ge* boten, eine oorfic^tige Haltung nac^ beiben ©eiten ^in einjune^men, bie @rgcbniffe ber fc^webifc^*fäd)fifc^en Scr^anblungen abjuwarten unb je nac^ Sage ber S)inge fic^ baran ju bet^ciligen.

3)ie ®erl)anblungen füllen bie nöc^ften üRonate beS gat)reS 1635 auS. 3unäc^ft burc^ unmittelbare 2lbgejanbte oon beiben ©eiten geführt, würben fie fpäter burc^ SBermittelung bet §erjöge oon äRellenburg unb [pommern, allein oeigebtid^, fortgefponnen. ©djritt für ©d)ritt fuc^te ©ad)fcn burd) Xruppen * Bewegungen ben Untert)anbtungen ben nbt^igen [Radjbrud 511 geben. würben bie laiferlic^eu ^loocatorialmanbate an bie [5)eutfc^eu

im fc^webifc^en §ecre oeröffentlic^t unb fie cinbringlic^ aufgeforbert, ben [Dicnft ber [Reic^Sfeinbe ju oerlaffen. [Die Berfünbigung beS griebenS

1) R. 30. 21*. SBcriditc öotn 2 (12) unb 7 (17) 3uli-

2) 91u« bem furfiltfUic^cn (5ntloffung8fcl?mben an ®ö^«n, d. d. (Süflrin 9 ä)iat 1637.

3) ©ac^fen »ar aßein »om Äotfet baju beauftragt, ma» Cbl?ner ©. 27 gegenüber JU betonen ift; nur unter biefer ©ebingung lie& fic^ CjenOicrna überbauet auf ©cr^anb* lungen ein. ©gl. R. 12. 109»'.

0(!^tvcbif(^>fä(^fif^c $tr(^anb(ungen.

XIII

tjotte in bcr X^ot überall tiefen ©inbruef gemacht. (Sine mächtige @trö* mung ber offentti^en üKeinung brang auf ben atlgenieinen J^ebenSfd^tufe; felbft im fi^tuebifc^cn §eere erflärten ^ö^ere Offiziere, fic^ ju frieblii^er X^Qtigfeit’) juriidjie^en ju motten, bie fie ^erbeife^nten ; in ber ganjen Srrnee, berichtet Stumentl^al, feien nic^t fed)8 Dbriftcn. bie gegen @ac^fen fechten roottten. Xie ©ebrängni^^) Oj-enftiernaS in biefer fc^^

gro§. Äurfürft Sodann (Seorg ^atte, üerleitet burc^ biefe (5iunft ber Sage, fct)r balb feine gorberungen auf ein l^o^eö 9)taa^ ^inaufgefd^raubt. (Sr ocriangte bie ^Räumung bcr Stifter bieg* unb jenfeitS ber (SIbe unb ben Sbjug ber fc^webifd^en 5lrmee oom ttteic^gboben. Sobalb er bie §ö^e ber ^eggfoftenfumme , metc^c Sd^mcbcu beanfpruc^e, oernommeu, motte er eine günftige 9tefolution nac^ Stratfunb übermitteln, ba^in beg liReic^g* fonjierg Xeputirte, mie er ^ö^nifc^ ^injufügen liefet), fieser geleitet merben fottten.

tttad^ bem (Sintreffen biefer Slntmort manbte fi^ Dyenftierna an (5Jeorg SBit^elm mit ber bringenben 93itte um feine 93ett)eiligung. 5ttg Slument^al-’^), ben ber Äurfürft nad) ttRagbeburg faubte, um fic^ über ben augenbIitfU(^cn ©taub ber SScrt)anblungen ju orientiren, bort anlangte, mar gerabc ber ®raf S3ranbenftein oon ttlcuem an Äurfürft 3ot)aun @eorg gefc^ieft. Xie 3Sorfc^Iäge, metc^e er übcrbrac^tc, umfaßten bie äufeerften (^renjen, big ju benen bie Äronc Sc^meben gc^cn motttc: 1) ©darneben erfjätt 80 Xonnen @oIbeg jur ©ntfe^äbigung ber ÄYieggfoften. 3^^^ fic^erung mirb bie ©tabt SRagbeburg eingeräumt; bie ©arnifon bafetbft mirb aug bem ©tift ^albcrftabt unterhalten. Xic fchmcbifche ^rmcc bleibt big gur göngtichen Stbfinbung in beiben ©tiftern ftehen. 2) Xie ©olbaten merben au^erbem befriebigt. 3) (Sg fott bem @rafen SBranben* ftein bie ©raffc^aft Duerfurt getaffen merben. um Sicherheit gu ha^en, bafe Saufen bie SSerhanblungen unter tttamen unb ttlatification beg Äaiferg führe 2Rit biefer ttJachricht fehrte SBIumcnthat nach SBerlin gurücE, ehe SBranbenftein bie 2lntmort überbra(^t hotte. 2(bcr auch t)cffen Ultimatum

1) Ocneralmaior ©pe^rrcuttr. 9lu« ©tument^t« 9ielation toom 13 (23) ©eptember.

2) Sgt. aud^ Obpner a. a. D.

3) fBcrttaut btr am 1 (11) ©eptember bem ©ecretür ©(^malenberfl ertbeilten ?tnt» trert, toon ©a^fen an ©ranbenburg überfanbt. a. a. D.

4) 31m 7 (17) ©eptember. 5) ©crid^t t>om 12 (22) ©eptembet.

6) !2)te toon ©^meben geforberte ©umme, 80 Tonnen = 8 3RtQtonen, bat man bi9> ber nidbt gefannt. ©gl. bi<^in Sbentnip 2, 768 f. ?onbcrp. Acta publica V, 511 üet= ?ftentildbt bie ©tanbenfieinfdben ©orfdbläge nur in allgemeiner Raffung, ohne bie ©umme ber )^üeg9fcflen ju nennen. 31udb bie bei ben 31ften (iegenben 3lb[dbriften haben nur bie allgemeine J^afiung. ©lumentbal erfuhr bie ©umme ni^lt öon ürenfiierna, fonbern toon einem nidbt genannten ®en>äbr9mann. iWan bemabrte gerabe in ©eiug auf biefen concreten ©unll ba8 tieffie ©ebeimniß. Sieben ©lumentbal bejeugt biefe getberung aber amb ®eorg

XIV

Slbbruc^i bfi- ^riebeiiÄuntcrbflnblungen.

lernte Sodann @corg ab. @r bot 1 2Jtißion*) (10 Xonnen) @ulben, too* tion au(§ bie ©olbaten befriebigt toerben foUtcit, unb oenoieS im Übrigen bic fc^mebif^e ^nnee oom 9tcic^§gebict.

Ojenftiema {(^cint jc^t felbft auf meiterc Untcr^anblungcu üerjic^tet ju fabelt. S)ie testen Scrfiu^c, ju einem Sbfommen ju gelangen, gingen oon ben Offizieren ber eoangelif^en Sunbeäarmee au§ unb fanben ©c^bnberf^) ftatt. Stm 18/28 ©eptember ettoa erfc^ienen bort ber General Jöil^elm oon fio^aufen, Oberft 3oad^im (Smft oon ^otfom unb ©eneral» major (Scorg @mft oon Sßebel, am folgenben Xage auf i^ren SBunfe^ au(§ @raf SSranbenftein. ©eine jefeigen gorberungen ftimmten mo^P) im SBefenttic^en mit ben früheren überein: ©ac^fen follte entgegenfommen. 2)em ®rucfe @eorg SBilt)elm§, ber inzioifc^en einbringlic^ an 3ot)ann @eorg gefd^rieben ^atte, nac^z^geben, unb bem 2(nbrange ber 93unbe§* armee toeic^enb, bot jept ber ^rfürft 21/2 fUtiHionen (25 Xonnen) ©ulben^); er be^arrte jebo^ bei bem SSerlangen, bog ©egtoeben ben fReid^gboben fo* fort üerlaffe. 9tur bie ©tobt ©tratfunb foCle big z^i^ alg ^üpot^ef eingeräumt toerben. ©egmeben fonnte hierauf ni^t eingegen. 2)ie Unterganblungen finb abgebrochen.

SBögt mon bie gorberungen gegen einanber ab, fo erfcheint bie fchroe» bifcherfeitg begehrte ©umme oon 8 9KiHionen ®ulben nicht h^^^h SSergteich mit anbem®) in biefer oufgetoanbte Opfer im Kriege

gezahlten ©ntfehäbigungen. ©ie ift ober überhoupt nicht nennengtoerth in Slnfchtag bringen, toenn man bebenft, bog ber ^teicgglanzler jebem 2(n* fpruch auf fianb unb ficute entfogte. 55ie SBichtigleit biefeg Umftanbeg hat auch ®eorg Sßilhelm feinem 9Kit!urfürften oor Sugen geführt^. SBag

emp öon SBebel. ®fll. 9lt. 31, 35. Ob^n« fctl ?onborb titer ba8 fofl. @(^8ne«

bedf^ie ^roject triebetgcbeit. 3n ben Elften unterfd^eibet bas If^teie aber ntdbt toon bem obigen, ba bie concreten @becial»^unfte oiu^ ^>iet bet münblid^n ©efbterbung über« lofien Pnb. ©ei Üonborb ip im § 6 eingefd^oben ; „^ommem ober gewipe Örter", in ben Sitten Pe^t nur: „bap audb gemiPe Örter". R. 12. 109 »1.

1) 3ob. Oeorg an ®eorg SBUti. 12 ©ebtember ?onborb a. a. 0. ®b«tnnib o- «. O.

2) Dbl^ner a. a. O. R. 12. 109. 3) ©gl. bie Slnmerfung 6 ber oorigen @eite.

4) SSJenn er bie SlnPd^t äußert, @adbfen batte nodb etwa 500000 (ober 5 SffMOionen?) ®ulben b^bet bieten foüen, ba au(b bie ©olbaten ju befriebigen feien, fo glaubt er, mau werbe no(b Sfter um bie Summe banbeln, al« gefdbeben ip.

5) Obbner, a. a. O. $elbig, ©rager griebe. $ipor. ^Eafdbenbueb 9, 635. 2)?3mer, ©taoWtoerträge 124.

6) 2>änemarl erhielt nadb bem furjen fcbweWfdben Äriegc oon 1 Sabr ^ SRonaten

Oon @<bweben 1 afUIIlon ©ulben. ©aiem bereebnete bem Äaifer bie ÄriegSfoPen bi« auf ben geringpen ©a^en unb Änrfadbfen würbe nadb einer ^ülfeleipung toon 6 SBodben oom Äaifer für 70 !£onnen @oIbe« mit einem ^Ö^Pft^^bum oerpdbert (?aufiU). So ber ©om* merfebe 9tatb ©bÜ- $ont an ben ^)er}og oon ©ommern über feine Unterrebung mit Oyen« pierna in ©iSmar am 19 Oftober. 7) (Soncebt an 3ob. @ecrg oom 18(*2b) Sept.

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^age ^ranbcnburgft.

XV

fonntcn bcnn 8 SJiiöionen bcbcutcn, tocmt ito(^ bcren Aufbringung ©c^tuc« ben ben Sicic^Sboben übcr{)aubt üerloffcn rooütc! SBclc^eS 35crberbcn, fo jagen wir f)cute, wäre bem beutfd^cn SSaterlonbe erjpart geblieben, wenn bomal« fc^on ber furchtbare ^cg feine ©nbfchaft erreicht hätte! 6in un* befangene« gefchithtlichc« Urtheil mufe baher einen großen Xheil, wenn nicht bie ganje 0chulb bem Äurfürften Johann ®eorg üon ©achfen juweifen, ber in unglaublicher 93erblenbung, beraufcht burch bie geringen (Srfolgc feiner Xru^pen, bie ^anb non fich ftieg, welche ihm jum Ausgleich ber ©egenfä^e biefe« Sölferfriege« entgegengeftreeft würbe.

9tach bem ©cheitem be« AnfnüpfungSüerfuch« jwifchen ©chweben unb ber faiferlich'fächfifchen SSertretung befanb fich 93ranbcnburgifche ^^olitif in einer peinlichen ßage. Xer ^urfürft mufete üertrag«mäfeig bem Äaifer geben, wa« be« Äaifer« war, unb feine Xruppen ben fächfifchen anreihen; auf ber anbern ©eite hoffte er, ba« bisherige gute (Sintjemehmen ju ©chweben, wenigften« äußerlich, möglichft aufrecht erhalten ju fönnen. 9tach bem befinitiuen Anfehlufe an ben ^aifer warb ©eorg Söilhclm ber ^Bortheile be« griebenS theilhaftig, feine ©rblanbe waren ihm garantirt unb 'er hötte ba« fRecht ben ©chup ber Armee für fein Sanb ju ocrlan= gen; bie gefthaltung biplomatifcher 93e;;iehungen jum fchwebifchen fReich«» fanjler gewährte bagegen bie SKbgli^feit , bem Sanbe bie Xrangfale be« Ärieg«, fall« bie 3Rarfen ber ©i^ beffelben werben foHten, thunlichft ju erleichtern unb erhöhte bie S^itJerftcht, bag bie 5hone ©chweben bei neuen griebenSöerhanblungcn ihre gorberungen gegen 93ranbenburg nicht ^u hoch fpannen werbe, ba ber Äurfürft ja nur burch bie Umftänbe gezwungen fich bem ^ege unterfteHt habe.

3n biefem ©inne fanb in ben jwanjiger Xagen be« ©eptember im Xom ju 99ranbenburg bie Swfaotmcnfunft beiber Äurfürften ftatt, bereu ©rgebni^ in bem Stejeg öom 26 ©eptember (6 0ft.) 1635*) jufammen» gefaxt ift. @eorg SBilhelm eröffnete ©achfen bie Ober» unb $anelpäffe. Xie S3ranbenburgifchen Xruppen befepten gewiffe fefte ^lä^c, bie fReiterei warb bi« auf brei ©ompagnien bem ©ommanbo ©achfen« untergeben. 9Rit ©mphafe erflärte*) bei biefer ©elegenheit gohann ©eorg, bab er fein 5>awpt nicht fanft legen woHte, er hätte benn ben ^rfürften in bem „SRärfifchen unb ^ommerfchen statu uollfommen ftabiliret''. Anbererfeit« uertheibigte fich ©eorg SEBilhelm, al« Ojenftierna feine SSerwunberung wegen ber Über* laffung ber Xruppen an ©achfen au«fprach, mit bem ßtoaug, ben ber $rager grieben ihm auferlege. @r fnüpfte baran bie Sitte, ben SBaffen

1) SWöntet, @taat«toerträge t23 f.

2) ©^»ar^nfcerg, Änefebcd unb Slument^at an ben ^hirfürflen. 15/5 Clt. 1H36 au* SegenSburg. R. 12. llu. 3) ©c^reiben vom 22 Cftober.

XVI

Sßaitbluiig bet branbcnbutgifi^cn

ui(^t freien Sauf ju taffen, fonbern fein £anb ju fc^onen, er fei auf jeben galt bereit, p erneuten SScr^anbtungen bic §anb ju bieten.

3n ben fotgenben 3J?onaten fa^ man in 93crlin gewiß mit banger ©r» Wartung ben fommenben ©reigniffen entgegen.

®a§ Unljeil ließ nießt lange auf fieß warten. Sauer griff bie ©aeßfen im Einfang ^Je^ember in SWeltenburg an, trieb fie nor fieß ßer über bie $aöet jurütf unb bebroßte Serlin. 2)ie Serfueße ®eorg 3Bitßclm§ ©cßuß für bie fRefibenjftäbtc ju erlangen, feßeiterten an ber §artnä(figfeit be§ feßwebifeßen ®eneral§, fetbft ein Slbgefanbter ber Äurfürftin *) würbe feßroff non Sauer gurüefgewiefen. Unter bem ftßmacßnollen ©inbrude biefer Se* ßanbtung flü(ßtete ber Ä'urfürft naeß $eiß.

®aä Auftreten SanerS ßatte einen tiefen ©tacßel in ber Sruft @eorg 2öit* ßelmS jurücf gelaffen. ®iefe Unnerfößnticßfeit beS feßwebifeßen ^eerfüßrerS füßrte jenen Umfeßwung ber branbenburgifeßen ^olitif ßerbei, ber bem ßanbe fo nerberblidß werben foflte. 5)ie SBanbtung notljog fieß aber gegen ben SBillen ber (Seßeimen Sflätße, bie ber ?lbfießt beS ^irfürften ben tebßafteften SBiber« ftanb entgegenfeßten. SBäßrenb baS brüSfe Sorgeßen ber ©eßweben ben .^urfürften bie Überzeugung gewinnen ließ, baß ba§ bisßerige Serßöltniß ju ©eßweben unter ben obwattenben Umftänben nießt meßr aufreeßt ju erßalten fei, befeßworen bie ©eßeimen SRätße ißren fürftließen §erm, gleieß Sommern, 9Ke!tenburg unb anbem dürften bei ber iReutralitat ju nerßarren unb nießt bureß eine öffentti(^e ^egSerttärnng ben ©eßweben aneß baä 9leeßt be§ ÄYiege« an bie §anb gn geben.

®er ©onftüt ztöiftßcn gürft unb 9^ätßen, ber fpäterßin zur atlmäß* tidßen 5tuftöfung be8 ©eßeimen StatßeS füßren folltc, begann unter fo eigentßümtießen Umftänben, baß wir etwas länger babei oerweilen müffen.

(SineS Xage§2) faß ber 5)iencr 5htefeberfS bei bem Sotenmeifter eine große Slnzaßl für bie öffenttieße Selanntma^ung fertiger ?loocatoriatman» bäte, weleße nießt, wie jene früßeren faiferließen SlbmaßnungSfeßreiben fid^ an bie im feßwebifeßen §eere bienenben Hngeßbrigen beS beutfeßen SteießeS rießtete, fonbern im 9?amen beS ^rfürften allen SanbeS*^ngeßörigen im feinbließen Säger bei Sertuft ißrer Oüter gebot, ben feßwebifeßen 2)ienft zu oerlaffen, ba bie ©eßweben zu ben Seinben beS SHeicßS zu reeßnen feien. Ä'nefebeef wußte feßon oon ber §(bfießt beS Ihirfürften, biefen ©eßritt zu tßun. (Sinige SBoeßen oorßer, als fi^ ®eorg SBtlßelm, oermutßließ auf ber Jlueßt, in ©tordow befanb, gelangte aus ber furfürftließen Kanzlei

1) 3obann 3Rt8lit am 24 ©eccintcr (3 Januar) auct> Cbemnttj II 905:

bitrc^ marb brr ©(t^reden in ©erltn ni^t »einig toetmebrt nnb fiünben bie Ockfen rec^t» {c^affen am 53frge."

2) 21m 27 3anuar (H ^ebruar) 1636. ba« gelgenbe ttgl. K. 21. N. a.

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(Sonflift be« Äurfilrften mit bcm Ocbctmcii 9iatb.

XVII

bcT Sefe^I an bic ^hiegSrätlie, boS ßoucept eine« jolc^cn SWonbateS ju öeriaii^n. ^efeberf erfuhr, tuanbte er fic^ jofort an 0c^njarpcn» bfrg unb fe|tc i^m feine SSebenfen bagegen au^einanber, mit ber 93itte, fie bem Shirfürften ju unterbreiten, ©c^war^enberg brachte barauf ben für* fürftlic^en S3efd^eib, foße ber ©efe^I anägefü^rt merben, etwaige bcnfen feien bei ber SSertcfung be8 fertigen ©onceptg gettenb ju machen. 2)ie Ärieggröt^e würben bemgemäfe non Äitcfebecf angewiefen. Sinige ßeit barauf begab fi(^ ^tnefebeef jum gewöhnlichen SSortrag über preufeifchc Sachen in bag fürftliche @emach, ba^ ber S?riegSrath oon Slumenthal nach Seenbigung feinet ®erichtä über Äriegä*^lngelegenheiten eben nertieg. fiepterer lie^ feinem ßtachfolger baS Soncept ber Sloocatorien auf bem Xifche liegen, ^efebeef fühlte fich baher üeranlafet, am (Snbe feines SSor* trogS ben ^rfürften ju fragen , ob er bie SSerlefung beS ßonceptS wünfchc. @eorg SBilhelm entgegnete , eS fei baju je|t gu fpät unb ©ffenSjeit, nahm bie (Soncepte äße unb trug fie in feine Äammer. Seitbem oernahm Weber Shtefebeef noch anberer ber Geheimen 9läthe baoon; nur ber jufäßige Umftanb, bag bem Sotenmeifter baS jur SSerfiegelung n5tl)ige 333achS mangelte, Wiener bie Äenntnife beS XhatbeftanbeS oermittett.

®ci ber SBichtigfeit ber Sache entwarf nun ihiefebecf, als er eS oer* nommen, fofort baS Soncept ju einer X)enffchrift an ben Äurfürften, baS er bcm Kanzler ®öhen, unb ben (Seheimen 9läthen ßcuchtmar unb Stripe jur S3cguta^tung unterbreitete. 9Kit geringfügigen ^nbernngen ftimmten fie ihm oöflig bei. X)ie fRäthe fteßen barin bem ^furfürften oor, ba§ ber 3wed ber ?(oocatorial*9Ranbatc , bem geinbe burch 3wtücfberufung ber in feinen X)icnftcn befinbli^en SanbeSfinber 5lbbruch ju thun, fchon burch foiferli^en SRanbate erreicht werbe; wenn ber ^rfürft aber bie Schweben als öffentliche geinbe branbmarfc, fo räume er ihnen baS ßlecht bcS Ärie* geS an ben ®roberungcn in Sommern unb ber 2Rarf ein unb bie Öerech* tigung, bei einem enblichen Siege SchabcnSanfprüche an Sanb unb Scuten ju erheben, ©nblich würbe baS arme unfchulbigc Sanb an 3Rorb, ßtaub unb ©ranb cS entgelten müffen. X)ie iRothwenbigfeit ju biefem Schritt oermöchten fie nicht etnjufchen, ba ber Präger grtebc nicht beftimme, man foße S^weben fcinbltch angreifen, fonbem nur bahin jiele, bie Schweben gleich ben eoangelifchen Stäuben, bie fich begnügt, waS fie oom

Äaifer unb ben Äatholifen erlangt, gu gütlichen SSerhanblungen ju bewegen. Unb baju fei ber SBeg feineSwegS abgcfchnitten. SBenigftenS bitten fie ihn, bie Sanbftänbe oor ber SSeröffentlichnng ju befragen.

Schon am folgenbcn Xagc antwortete ber ^rfürft in cigenhänbiger, ans noch cthaltener ßticberfchrift , bie wir ihrer großen äöichtigleit wegen in ben ^aupttheilen \)\n folgen laffen.

(gs hätte bei bem erften ^oocatorium oerbleiben fönnen, wenn nicht

IReinatbnd, '^rotoIoOt.

XVIII

(SonfUft bc8 ^rfürfleu mit ben ®e^etmen

nac^ bejfen SJcröffcntlic^mig üielc feiner Untertljaucii mit 93aner in feine ßanbe gefommen wären unb feine Stäbte unb $äffe fo na^e ben Sftefibenj* ftäbten eingenommen Ratten, fo bag er fic!^ weg begeben unb ftc^ gleich« fam oon feinen eigenen Untert^anen oertreiben laffen müffen. SSenn er nun auf fein unb bann feiner ©ema^Iin befonbereä ^nfuc^en au(^ nur blofe für feine Sftefibenaftabt 9ieutralität erlangen unb alfo eine gewiffc (Geneigtheit ber Schweben hätte oerfpüren !önnen, fo würbe er noch wei* tere Schritte unterlaffen ha^JCo. wir aber nit attein gan| abfehteg*

liehe, fonbern fo eine grobe, anzügliche unbt hochmütige Slnbtwort ju* fommen unbt mier baburch alle ßi^oerficht unbt ©ofnung benommen wor* ben, ba bin ich ouf biefe ©ebanfen gefallen unbt hob auä Storefau baS mandatum avocatorium ju erneuern unOt ju concipiren befolen." (Sr wirft bann ben ©eheimen fRäthen üor, bafe fie erft jeht mit ihren @inwür* fen fämen, nachbem fie mehrere SQäochen baju gehabt. Se^t fei ZU fpät, ba bie SRanbate bereite oor 4 ober 5 Xagen fortgefchieft unb oeröffentlicht feien. „®ermeine hoch, aßc bie, welche wiffen, wie übel mich bie Schweben jeber ßeit tractirt hoto unb wie jepo ber Sfieich^tanpler*) unbt fein 5lnhang barmit umbgehen, mier ben 9lteft unbt baä @arau§ z“ geben unbt meine getreue Unterthanen unbt Sonbftänbe zum Ungehorfamb, Abfall unbt ältaineibt zu oerleiten unbt zu bewegen unbt alfo als ar* inen, mich oon ßanben unbt Seuten abzubringen; bie werben mier biefeS, was gcfchehen ift, nicht ungleich auSbeuten fönnen."

?luf biefe SSorwürfe blieb bie Slntwort ber ®eh. 9iäthe nicht aiiS. XaS Schriftftücf, in bem fie ihre ganze, bei ber Übergabe erfolgte Untere rebung mit bem Äurfürften zufammenfoffen, ift oom 31. Sanuar batirt unb oon ßnefebeef, ©öfeen, 93runn, fieuchtmar unb Stripe unterfchrieben. (SS h^'fei barin, um ihre Unfchulb oor aller SBelt zu bezeugen, feien S^nefebeef unb Srunn zum Äurfürften gegangen , unb hätten zunächft bar* gelegt, bag oon ben ©eheimen Sftäthen lebiglich ^efebeef bis zum oorgeftrigen Xage oon ben SKanbaten gemußt unb bie entfprechenben Schritte bagegen gethan hübe, bie fie bem Äurfürften noch einmal inS ©ebächtni^ zutücf* rufen. S^toch aber fei bie Sache inS Gleichgewicht zu bringen, ba ber SSotenmeifter auS 3Rangel an SBachS bie Slbfenbung höbe oerzögern müffen unb noch olle (Sjemplare befi^e.

1) ?tm 7 SKärj 1636 bertft(|en bie ©tanbenburgift^en 9lät(»e (ÄttejeBed, Oö^en, ©runn, ?eu(btmat, ©trijie unb 0c(|a'ar|}enbergj übet eine Antwort auf ein ©(^reiben bet fdiroe* bifef^en SRegietung »om 18 ®ec., batin bem Äutf. ®. SQ5. in anmaßenben 3Iu8btü(fen bie ganje @c(>itlb an biefem Ätiege beigemeffen rnatb ; hierbei tbot 2. o. b. Änefebecf bie ^uße« tung: „2Ran ttac^tet (5^. 2). eigenet ^etfon nacfi, Orenjiietna (lat @ie |o gefd^mäf^et, baö bet, fo c8 gehört, fagt, wenn bie (£h. wüßten, Wa8 et gefagt, würben ba« J^erabbe nom ?elbe oerfaufen, fith gu tcuangiten."

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^erjSnttt^c Jaqe be8 ?anbe0^errn.

XIX

®er jhirfürft entgegnete borauf furj , i^m fei bec SSerlauf gegcnwär* tig, nur ^cibe er nic^t gettjufet, bag au^er ^ejeberf bcn übrigen ©c^cimcn ^iätben ber ®efe^l auS ©torrfoto unbefonnt geblieben fei. ®r »otle fic§ nod) einmal überlegen. Xrobbem @eorg SSil^ctm nun bie ©ac^e offenbar peinlich unb fein Unmut^ ben ?Rät^en erfic^tli^ war, fügte 5?nefe» berf mit greimutl) l)inp, ber S^urfürft möge biefen i^ren ©c^ritt nic^t bofür galten, „ba§ wir auf ©c^weben l)ierunter fe^en , fonbern wir bebäd)* ten nur boS arme ßanb unb baS gro^e Ungtüd , barin baffelbe ^ierburc^ geratljen fönte, ^oftcn aud^ je, ba§ wir an bem nid)t pecciren fönten, bab wir neben ©. ©taat unb 9leputation auc^ auf S^^eS ßanbeS ®on*

femotion fe^en, fintemal wir eg banor Ratten müßten, ba§ ©. ßl). 2). Söo^l» fart in beö fianbeg 2öol)lfart befte^e. Söorauf fein anber SS^ort fiele, alg bab bag ßanb bod) bruf gel)cn würbe (welc^eg wir benn ®ottcg gnäbigen Sitten, ber gleic^wol noc^ aHeg önbem fan, müffen ^eimbgeftellct fein laffen, unb bo(^ unfcreg X^eilg ungern ein folc^ ^räfuppofitum unferer consiliomm fe|en wollen)."

@g erl)cnt aug ben SSorgängen beutlic^, bab feine (Sinreben ber @e» Reimen 9fätbe an bem feften ©ntfcbluffe beg ^urfürften ju rütteln oer«' mo(bt hätten, bie SKanbate gegen beg 9leidbcg geinbe anfcblagen ju laffen. Diefer ©ntfcblub ift eben nic^t bcroorgegangen aug reifer Abwägung beg 5ür unb SBiber, fonbern er ift ein ^nb beg Slffectg, wir fielen bi^t einer rein perfönlic^en Ängelegen^eit beg regierenben iianbegfürften.

Äurfürft ©eorg SBilbelm nimmt nac^ bem Urt^eile ber ©efc^id^t» f(^reibung unter ben gürften bicfeg ßeitraumg einen unrübmlicben $lap ein. greunb unb geinb ^oben bie ©cbwäc^e unb Unentfcbloffenbeit fcineg S^arafterg mit ©efliffen^eit gefennjeic^net, ber wirt^fcböftlicbe unb poti* tifc^c 9hebcrgong beg branbenburg»preufeifc^en ©taateg ift auf feine geiler jurüdgefü^rt unb bie ©(^ulb an bem ganjen Slenb beg 30jä^rigen 5hicgcg in bcn (Srblänbem beg §aufeg auf fein §aupt gehäuft. 9fur barüber ift man fic^ nic^t flar geworben, ob feinem ttKinifter ©^warpenberg , ber i^n oerlocft, ni(^t bie größere ©c^ulb jujuf (^reiben fei. @eorg 2öill)elm wor faft feit bem beginn feiner fRegiening ein bemitleibengwert^er SKonn. 3n bem go^re, ba grtebrid^ SGßil^elm geboren warb, jog er fid^ burc^ einen „unoerf)offten gefäl)rlic^en eine SSerlepung beg einen ©c^en*

felg ju, bie niemalg orbentlic^ ^at feilen wollen, ©eit 1631 würbe au^ ber anbere ©(^enfel in SKitleibenfc^aft gezogen. 5)cr ^urfürft fonnte fi(^ nur mit 3Kü^e aufree^t galten unb mufetc meifteng in ber ©änfte getrogen werben. 3)ie Unfälle beg ^egeg, welche häufig einen plöplic^en SBec^fel

1) öeuu^jt ^terju ein ©eti(^t über bie Äranfl^eit bc8 Äuifürflen ®eorg Söil^elm im ^u»atd>it). Acta betr. ba8 ?lbUben ®. S.’8 vol. I.

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XX

®eorg ©ifbclm unb Sc^war^nberg.

be^ Slufcntf)altcä crforberten, trugen wejcutlic^ ‘) baju bei , baS ©iec^tbum jii ticrfc^limmcm , bie Rettung 5U erjc^wctcn. Ä5rt)erli(b aifo »ä^rcnb fei* ncr ganjcn 9iegicrung8jeit niemals ganj ^etr feiner fcibft, beftürmten ju* glei(^ i)änfig feelifc^e Sonflitte fein SnnereS, er^eifc^ten ju mieber^oUen ajiaten fol^e grogen feine @ntf(^eibung , bei benen S^rone unb Sanb auf bem ©picle ftanben. @o auc^ in jenen ^ugenbücfen, ba bie Schweben, unb in il)ren 9iei^en ja^Ireic^e 2)eutf^e , eigene ßanbeSfinber ber SKar!en, i^rcn fürftlic^cn §crrn jwangen, in ber äujerften geftung feines ßanbeS ©d^u^ ju fuc^en, ben ©c^u^, meieren man, als er barum bat, für feine 5)auptftabt grob unb l)5^nif(^ oermeigerte. SEBaS foflten i^m in biefem Äugenblicf feine Sfiätbe! „®ro|en2) Herren unb 9legenten fallen in fc^we* ren oft folc^e ©at^en oor, barein fie fid^ mit allen i^ren Sflät^en fambt allem i^rem 35erftanb unb SBeiS^eit ni(^t roiffen gu fc^iefen." 5)er ^urfürft füllte fic^ perfönlie^ aufS Xieffte oerlc|t, fein b^naftifc^eS @^r* gefül)l empörte ficb gegen biefe unmürbige öe^anblung, ber ®eift ber §o^enjollern, mir fönnen eS mit ©enugt^uung fo bejeic^nen, ermatte in i^m: o^ne mirffamen ©c^up gefnnben ju ^aben, anf fic^ felbft gefteHt, fagte ©eorg 2Bill)elm in biefer ©tunbe ber 9iot^ ben ©ntfc^lub, fein Sanb, ®rbe unb Seben, felbft mit ben Söaffen ber SSerjmeiflung jju üertbeibigen. 2)enn baS mubte bie weitere golge feines SSorgel)enS fein nöt^igenfalls , wenn junöcbft ©ac^fen i^n im ©tic^e laffen würbe, woranf ber Mangler ^in* gewiefen ^atte, ein eigenes §eer ju werben unb ficj felbft an bie ©pi|e ju ftellen.

®a6 ©c^war^enberg bei att’ biefen planen auf ©eorg SBil^elmS ©eite ftanb, fönnen wir jweifelloS anne^men, unb bie nöc^fte ä^funft leiert eS. Sluc^ er ^agte bie ©ct)weben, weil fie i^m fc^abeten, wo fie nur fonnten. ©ein ftoljer, ^oc^fal^renber ©inn wirb ebenfo, wie fein §err, oon ber 9iücffi(btSlofigfeit ®anerS empfinblic^ berührt fein. 2)aS Sebarren auf ber faiferli^en ©eite entfpraeb aber auch feiner politifc^en Überzeugung. Unbebingt gehörte ©cbwarpenberg jener politifeben 9iicbtung im S^leicbe an, ,bie<) in bem planlofen Sßirrfal ber beutfeben SBerbältniffe unb gegenüber ber eigenfü(btigen Übermacht ber beiben großen gremb* möchte ©chweben unb granfreich hoch immer nod^ bie relatio befte beutfehe gürftenpolitil im freien Hnfchlufe an ben Äaifer ju finben meinte. 2öir haben aber burchanS feinen ©runb anjunebmen , bab er baS gntereffe fei* neS Äurfürften unb 5)erm in ber ^olitif nicht an erfter ©teile im §luge batte. @r wirb an bem Xage , ba ^efebeef über bie Slüocatoriat*9Kanbatc

1) 00 ber ®eti(^t, 2) ®enf}(t?rift SBebel« n. 6. 0. 33.

3) ®torg ©iüjelm an 0(^waröenbctg. 23 0ebtember (3 Oft.) 163(5.

4) ßrbmanudbötnei a. a. O. 0. 86.

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9u9jü^ruitg ber '2())ocatonal>^IIkubatc. Scu(^tmar9 ?(u9f^ciben.

XXI

mit i^m fprac^ , jtücifeUoS ben Sntfc^Iufe uot bem Äurfürftcn noc^ einmal mit feinen S^ic^tungen l)in beleuchtet höben.

®et Äurfurft unb ©(htnar^enberg für ben 5hieg, bie ©eheimen 9^äthe für bie Slufrechterhaltung eines erträglichen SSerhältniffeS ju ©chtneben: muhte bei bem ganj perfbnlichen ©ngagement beS SanbeSherm hierin nicht berÄeim ju größeren Snt^roeiungen liegen? §ält eS hoch fchon jeht Stnefe» beef für nbthig, ju betheuem, bah ih^^ SBiberftanb gegen bie 3loocatorial* SKanbate nicht auS ber 9leigung für ©chtoeben, fonbern auS ber ©orge um baS Sanb entfpringe!

5)ie 93eftimmungen ber ^t)ocatorial«9J?anbate finb in rigorofer SGBeife QuSgeführt roorben. SSir miffen, bah fie manchen braüen SBranbenburger in fchmerc ©emiffenSnoth unb Sebrängnih , ja mohl gar an ben ©ettelftab gebracht 33or bie grage gefteHt, gegen ben SanbeSherrn ju bienen

unb gugtcich bamit beS heimifchen @rbeS nerluftig ju merben ober gegen bie bisherigen Äampf* unb ©laubenSgenoffen fechten ju foHen, oerliehen Diele Offiziere unb ©olbaten baS fchtoebifche §eer, fuchten baljeim ihr Srob JU ermerben ober traten, fern oon ber Heimat, in frembtönbifche ÄriegSbienfte. </